Panorama bedeutet 'ununterbrochene Ansicht' bzw. 'umfassende Darstellung,
Übersicht'. Man versteht darunter ein sehr breites (oder/und auch
hohes) Foto, das aus mehreren Einzelfotos besteht:

Abbildung 1: Verschiedene Panorama-Arten
In den Anfängen der analogen Fotografie kam man schon sehr bald
auf die Idee, mehrere Fotos miteinander zu kombinieren, indem man mit
Schere und Klebstoff die Papierbilder mit mehr oder weniger Erfolg aneinander
reihte. 1843 wurde in Österreich die erste spezielle Panoramakamera
gebaut und patentiert, sie ermöglichte ein Panoramabild mit nur
einmal Auslösen komplett aufzunehmen. Viele verschiedene Systeme
wurden seit damals entwickelt, und auch heutzutage findet man bei analogen
Kameras mit Filmen im APS-Format nach wie vor die Möglichkeit,
ein Panoramaformat einzustellen. Jedoch war die Panoramafotografie immer
schon ein zwar oft bestaunter aber eher wenig populärer Bereich
der analogen Fotografie.
Mit den digitalen Kameras erlebt die Panoramafotografie wieder regeren
Zuspruch -- es nun möglich, großformatige Panoramabilder
aus vielen Einzelaufnahmen am eigenen Rechner relativ leicht und schnell
zusammenzusetzen, nicht zuletzt dank ausgeklügelter Softwarealgorithmen
und -programmen. Eines der auf diese Weise größten bisher
entstandenen Bilder besteht aus 196 Einzelaufnahmen und einer gesamten
Auflösung von über einem Gigapixel (= über eintausend
Megapixel in einem Bild).
Der Vorgang des digitalen Zusammenfügens wird als 'stitchen' (=
engl. für nähen) bezeichnet. Der Grundgedanke ist, dass einfach
in zwei (überlappenden) Bildern mehrere Punkte oder markante Details
gesucht werden, die in beiden Aufnahmen vorkommen. Die Panoramasoftware
versucht dann, alle diese Punkte deckungsgleich übereinanderzulegen
und schiebt, rotiert und wölbt die Einzelbilder solange rum, bis
es möglichst gut passt.

Abbildung 2: Panoramabild aus 2 Einzelbildern
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Wenn man schon bei der Aufnahme der Einzelbilder einige Punkte beachtet,
gelingt das Zusammenfügen der Einzelbilder und eine eventuell nötige
Nachbearbeitung des gesamten Panoramabildes viel leichter:
- Überlappung
Damit die Software wissen kann, wie die Einzelbilder kombiniert werden
müssen, braucht man eine gewisse Überlappung der Fotos.
Optimal ist dabei ein Überdeckungsgrad von etwa 20 - 50 %. Konkrete
Anhaltspunkte gibt es dafür nicht, jedoch:
Falls bewegte Objekte in den Aufnahmen zu sehen sind (Personen, Autos,
etc.) ist es von Vorteil, mehr Überdeckung zu wählen, da
nachträglich Objekte leichter herausretuschiert werden können.
Wenn eine Person z.B. bei der ersten Aufnahme in der Bildmitte fotografiert
wird, und sich bei der zweiten (weitergedrehten) Aufnahme auch wieder
irgendwo im Bild wiederfindet, sieht man im fertigen Panoramabild
diese Person dann doppelt. Dies kann natürlich auch absichtlich
als Gestaltungsmittel dienen, aber in der Regel ist es für den
Betrachter etwas verwirrend.

Abbildung 3: Überlappung der Einzelbilder
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Warum braucht man zum Zusammensetzen eigentlich spezielle Software? Nun,
was das händische Zusammenfügen schwierig macht ist, dass viele
Objektive Verzerrungen haben, die über das Bild verteilt sehr unterschiedliche
Auswirkungen bzw. Stärke haben.
Die Panoramasoftware muss also das Bild nicht nur drehen oder schieben,
sondern auch wölben -- und spätestens hier steht man händisch
in einem Bildbearbeitungsprogramm vor Schwierigkeiten.
Alleine das Rausrechnen der Linsenverzerrungen würde Bücher
füllen, wen es interessiert möge Google mit den Suchwörtern
'panorama', 'linsenverzerrung' (oder in englisch 'panorama', 'lens distortion')
anwerfen. Es gibt ein paar gute, aber nicht gerade einsteigerfreundliche
Seiten im Netz dazu.
Die letzte Aufgabe der Panoramasoftware ist das Überlenden, also
die Transparenz der überlappenden Bereiche so einzustellen, dass
diese Stoßstellen nicht mehr oder nur minimalst sichtbar sind.
Drei Dinge gilt somit es für die Software zu bewältigen:
- Korrespondierende Punkte in den Bildern suchen
- Bilder drehen, rotieren, entzerren
- Stoßstellen wegblenden
Im speziellen wird hier auf Autopano,
Hugin (als
GUI für PanoTools) und Enblend
eingegangen. Zum einen, weil sie frei erhältlich sind, zum andere
weil sie sowohl für Einsteiger als auch mit etwas Erfahrung professionelle
Ergebnisse bringen. Bei anderen Programmen sieht der grundsätzliche
Ablauf aber sehr ähnlich aus...
- Autopano
Nimmt einem die Mammutarbeit ab, indem es ziemlich sicher die Kontrollpunkte
in den Bildern findet. Und zwar viele und in sehr kurzer Zeit!
Früher, als es Autopano noch nicht gegeben hat, war das eigentlich
der Hauptteil. Pro zwei Bilder musste man mindestens 3 Kontrollpunkte
(6 Einzelpunkte) angeben, bei 4 Einzelbildern waren das schon 18 Punkte.
Hört sich nicht nach viel Arbeit an, wenn man aber ein gutes
Resultat haben wollte, musste pixelgenau gearbeitet werden. Wenn es
ein größeres Panorama war (um die 20 Bilder), war das schon
viel Zeit.

Abbildung 5: Ausgabe von Autopano
Autopano ist ein Kommandozeilenprogramm, lässt sich aber problemlos
in den Windows Explorer einbinden: Man braucht dann nur noch in einen
Ordner die Einzelbilder reingeben, und beim Rechtsklicken auf diesen
Ordner dann im erscheinenden Kontextmenü den Eintrag 'Autopano'
auswählen. Autopano erstellt dann für die nächste eigentliche
Panoramasoftware -- Hugin -- ein Projektfile in dem alle gefundenen
Kontrollpunkte der Bilder schon definiert sind.
Das Explorer-Kontextmenü ist nur ein kleiner Eintrag in die Registry,
hier ist das *.reg-File
dazu. Es ist eine normale Textdatei, vor dem Hinzufügen zur Windows-Registry
(rechte Maustaste auf die Datei / 'Zusammenführen') aber unbedingt
noch mit einem Texteditor öffnen und den Pfad zur 'Autopano.exe'
anpassen!
Ruft man dann bei einem Ordner mit Einzelbildern den Eintrag 'Autopano'
auf, geht eine Dos-Box auf und Autopano fängt an die Kontrollpunkte
zu suchen (standardmäßig sind das pro zwei Bilder rund
20 Kontrollpunkte). Das Ganze ginge auch direkt in Hugin, aber zumindest
in einer früheren Version gab es hier Programmfehler. Man braucht
mit dieser Vorgehensweise aber auch nicht länger und bekommt
die gleichen Ergebnisse.
- Hugin
Hugin erledigt nun die beiden weiteren Punkte, das Zurechtrücken
und Überblenden der Einzelbilder. Wenn man Hugin startet und
das gerade vorher erstellte Projekt lädt, sieht man als erstes
eine Liste mit den Einzelbildern. In dieser Tabelle bemerkt man auch
drei Spalten mit der Überschrift 'yaw', 'pitch' und 'roll'. Diese
drei Werte geben für jedes Bild die Position an, wo es im fertigen
Panorama hinkommen soll. 'yaw' ist dabei die horizontale Position
(rechts-links), 'pitch' die vertikale (oben-unten) und 'roll' die
Drehung:

Abbildung 6: Positionierungsfreiheiten jedes Einzelbildes
Etwas, was uns etwas später noch unterkommen wird ist der Begriff
'Referenzbild' oder 'Ankerbild'. Die Panoramasoftware hat eigentlich
ein systematisches Problem: Würde man die Position aller Bilder
optimieren, würde das Gesamtpanorama mehr oder weniger zufällig
wo landen (alle Positionen sind ja variabel). Deswegen definiert man
ein Bild als Referenzbild, das bleibt dann fix an einer Stelle und
wird nicht gedreht oder verschoben. An diesem Bild werden nun die
anderen Bilder quasi 'drangehängt'. Normalerweise definiert man
dafür einfach das mittlere Bild (bei einem Mosaicpanorama halt
irgendeines ungefähr in der Mitte). Man könnte aber eigentlich
irgendeines wählen.
Lassen wir die Positionsparameter und das Referenzbild mal kurz beiseite
und sehen uns den zweiten Reiter in Hugin an, also 'Camera and Lens'.
Beim Berechnen muss die Panoramasoftware wissen, mit welcher Brennweite
die Bilder aufgenommen sind, und genau das kann man dort festlegen
-- daraus wird dann der Bildwinkel jedes Einzelbildes errechnet. Man
kann dort auch die Brennweite gleich aus den EXIF-Daten auslesen,
dann erspart man sich das Nachsehen und händische Eingeben.
Der nächste Reiter ist 'Control Points', dort findet man die
von Autopano ermittelten Kontrollpunkte und könnte sie ändern
oder löschen, sowie welche hinzufügen. Hinzufügen spezieller
Kontrollpunkte (vertikale bzw. horizontale Übereinstimmung) wird
erst dann interessant, wenn man das Panorama auch gleich perspektivisch
entzerren möchte, z.B. bei Architekturaufnahmen. Ist aber für
die ersten Panoramen zum Ausprobieren und kennenlernen sehr wahrscheinlich
nicht notwendig.

Abbildung 7: gefundene Kontrollpunkte
Der vorletzte Reiter -- der 'Optimizer' -- ist das Kernstück
jeder Panoramasoftware, mit ihm werden die vorher angesprochenen Parameter
'yaw', 'pitch', 'roll' für jedes Bild errechnet. Optimieren wird
es deshalb genannt, weil der verwendete Algorithmus versucht, die
Abstände zwischen den Kontrollpunkten möglichst klein zu
bekommen, es wird also auf ein Minimum hingearbeitet.
Es gibt in Hugin gleich mehrere Automatiken dafür, man kann die
Optimierung aber auch händisch beeinflussen. Oft funktioniert
es, wenn man die Parameter paarweise automatisch ermittelt, also die
ersten Eintrag in der Liste anwählt. Nach dem Optimieren bekommt
man das Ergebnis angezeigt, je geringer die Werte, desto besser liegen
alle Kontrollpunkte übereinander:

Abbildung 8: Optimierergebnis
Nun kann man sich sein Panorama vorerst klein mit dem Toolbarbutton
'Preview' schon mal ansehen. Wenn man die Bilder nicht sieht, sondern
nur ein schwarzes Fenster, einfach auf 'Center' klicken. Es ist ratsam
im Vorschaufenster das 'Auto Update' auszuschalten, um nicht gleich
alle Änderungen die in der Vorschau vorgenommen werden, automatisch
zu übernehmen.
Sieht das Gesamtpanorama in der Vorschau halbwegs passabel aus, ist
man dem Ziel schon deutlich näher.

Abbildung 9: Vorschau in Hugin
Hin und wieder bekommt man mit einer automatischen Optimierung allerdings
kein brauchbares Ergebnis. Dann ist es sinnvoll, alle Werte ('yaw',
'pitch', 'roll', die Linsenverzerrungsparameter 'a','b','c') wieder
auf Null zurückzusetzen und die Bildwinkel wieder auf den Ausgangswert
zurückzustellen. Als Tipp: Leichter geht das, wenn man vor der
ersten Optimierung speichert und diese Sicherung einfach wieder lädt.
Sollte die Optimierung also schiefgegangen sein:
Auf dem 'Optimize'-Reiter in Hugin in der Liste auswählen 'custom
parameters below' (die unten angegebenen Parameter) und man kann dann
darunter gezielt festlegen, was optimiert werden soll: Vorerst nimmt
man die Häkchen von allen Parametern weg, und hakt dann alle
'yaw'-Kästchen an, bis auf das des Referenzbildes! Dann optimieren
lassen -- das Ergebnis wird noch schlecht sein, wird aber gleich besser.
Im zweiten Durchlauf werden zusätzlich die 'pitch'-Kästchen
dazugenommen, wieder alle bis auf das des Referenzbildes. Wieder Optimieren,
dann die roll-Parameter dazu, optimieren, dann kommen der Bildwinkel
und die Linsenkorrekturparameter a,b,c dran und ein letztes Mal optimieren.
Wenn man die Parameter stufenweise berechnet und nicht alle auf einmal,
sollte der Algorithmus dann ein deutlich besseres Resultat liefern.
Hat man in der Vorschau dann ein akzeptables Ergebnis, kann nun über
den Reiter 'Stitcher' die Einstellungen des gesamten Panoramas vorgenommen
werden:
Dort muss man sich nun entscheiden, welche Projektion man haben will,
am einfachsten zum Beginnen mit 'equirectangular' starten. Dann wird
der Bildwinkel des Gesamtpanoramas (nicht zu verwechseln mit den Bildwinkeln
der Einzelbilder vorher!) und die Pixelgröße des Ergebnisses
festgelegt. Bei beiden kann eigentlich einfach auf 'Berechnen' geklickt
werden. Die nächsten Parameter betreffen die Genauigkeit beim
Zusammenrechnen. Hier kommt es stark auf die zur Verfügung stehende
Rechenleistung drauf an, vielleicht mal mit 'Poly3' starten, die höheren
'Spline'- bzw. 'Sinc'-Funktionen können auch auf schnelleren
Rechnern lange dauern, liefern aber eine bessere Qualität. Wenn
man schon beim Fotografieren auf eine gleiche Belichtung der Einzelbilder
geachtet hat, ist es sehr anzuraten hier in Hugin eine Farb- bzw.
Helligkeitsanpassung der Einzelbilder ('exposure correction') auszuschalten!
Wenn die Einzelbilder unterschiedlich belichtet wurden, kann man dieses
Feature ausprobieren, darf sich aber keine Wunder erwarten.
Gamma kann auf dem Standardwert 1 gelassen werden, die 'feather width'
gibt die Breite der Bildübergänge an (in Pixeln). Es kommt
auf das Motiv an, bei gleichmäßigen Flächen im Bild
kann ein höherer Wert die Stoßstellenübergänge
weicher und damit schwieriger sichtbar machen, wenn das Bild viele
Details und Strukturen hat ist ein geringerer Wert besser. Für
die ersten Panoramen kann man den Wert getrost auf dem Standardwert
belassen.
'Approximation' gibt an, ob der Stitcher kleine Berechungsfehler toleriert.
Wenn man diese zulässt, wird die ganze Berechnung schneller,
jedoch eben auch etwas ungenauer. Oft fällt einem der Unterschied
nicht auf, also kann dieser Parameter eigenem Ermessen und Rechenleistung
verwendet werden. Als letztes gibt man dann noch das Dateiformat an,
in dem das gesamte Panorama gespeichert werden soll. Es gibt darunter
auch Formate, die die Bilder nicht zu einer einzigen Ebene zusammenfassen,
sondern in mehreren Ebenen lassen, um später noch Feinkorrekturen
vornehmen zu können -- oder um das Programm Enblend laufen zu
lassen (das die Einzelebenen auch getrennt benötigt).
Zum Ausprobieren oder wenn man nichts korrigieren will/muss wird allerdings
für Standard-Panoramen JPG die beste Wahl sein.
Und dann heißt es 'Stitch now!' -- und etwas warten auf ein
(hoffentlich gutes) Ergebnis.
- Enblend
Wenn man -- wie anfangs erwähnt -- auf die konstante Belichtung
Rücksicht genommen hat, kann man sich unter Umständen sogar
die Nachbearbeitung der Stoßstellen sparen.
Wenn trotzdem im fertigen Panorama noch Nahtstellen zu sehen sind,
kommt entweder eine händische Nachbearbeitung ins Spiel oder
man benutzt Enblend. Der Nachteil von Enblend ist, dass es das Gesamtpanorama
im relativ großen TIFF-Format in Einzelebenen zerlegt benötigt,
und außerdem sehr rechen- und speicherintensiv ist. Jedoch kann
es besonders in schwierigen Fällen ganz nützlich sein.
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