12 Geheimnisse, wie du mit der Kompaktkamera ausdrucksstarke Porträtfotos bekommst

12 Geheimnisse, wie du mit der Kompaktkamera ausdrucksstarke Porträtfotos bekommst

Wenn du in Fotografie-Foren und -büchern liest, erhältst du oft den Eindruck, dass nur die Besitzer von Spiegelreflexkameras und teuren Objektiven starke Porträtbilder fotografieren können. Die gute Nachricht jedoch: Das Wichtigste beim Fotografieren gelungener People-Aufnahmen ist nicht die technische Ausrüstung, sondern sind die beiden Menschen vor und hinter der Kamera. Und als Besitzer einer Kompakten oder eines Smartphones hast du einen unschlagbaren Vorteil, der so manche technische Unzulänglichkeit wettmachen kann: Es ist ein großer psychologischer Unterschied, ob du eine dicke Spiegelreflexkamera mit einem riesigen Objektiv auf dein Motiv richtet oder eine kleine Kompaktkamera. Vor dem zuletzt genannten Gerät bleiben die meisten Menschen deutlich entspannter. Außerdem kannst du mit einer Kompaktkamera sehr gut „heimlich“ fotografieren – in Kombination mit dem Digitalzoom kannst du mit dieser Technik beispielsweise auf Familienfesten zu wundervollen Porträtbildern kommen.

Wenn du ein paar Geheimnisse der Profifotografen kennst, etwas Geduld aufbringst und ein wenig übst, wird es dir auch mit einer einfachen Kompaktkamera gelingen, großartige Fotos deiner Lieben aufzunehmen. In diesem Ratgeber findest du 12 echte, praxiserprobte Insider-Tipps, die dir dabei helfen werden.

1. Geheimnis: So einfach wie möglich!

Je komplexer die Umgebung ist, in der du dein Model fotografierst, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du ein perfektes Porträtfoto zustande bringst. Fotografiere lieber in einem übersichtlichen Umfeld mit nur wenigen oder gar keinen Hintergrundelementen. Der Hintergrund muss dabei nicht langweilig sein – versuche es zum Beispiel einmal mit einer alten Mauer mit Rissen oder abblätterndem Putz. Das schafft einen interessanten Kontrast, ohne dass der Hintergrund aufdringlich wirkt. Im Innenraum eignet sich etwa eine freie Wand mit Raufasertapete oder Rauputz. Besitzer einer digitalen Spiegelreflexkamera stellen unruhige Hintergründe gerne unscharf, um das Problem zu umgehen. Das kann wirklich toll aussehen, ist aber wegen der superkurzen Brennweiten moderner Kompaktkameras in vielen Fällen nicht gerade einfach zu erreichen. Ganz gut gelingen dir unscharfe Hintergründe, wenn du weitestmöglich einzoomst (und dabei natürlich einen entsprechenden Abstand vom Porträtierten nimmst). Diese Technik hat übrigens einen weiteren Vorteil, den dir Geheimnis 10 verrät.

Gehörst du zu den Leuten, die eigentlich immer im Automatikmodus der Digitalkamera fotografieren und denen Einstellungen wie Verschlusszeit, Blende oder Brennweite ein Graus sind? Zugegeben – der Automatikmodus ist bequem und passt auch tatsächlich in vielen Situationen. Die Kamera legt dabei die passenden Einstellungen je nach Aufnahmesituation selbst fest. Gerade wenn du Gesichter fotografieren möchtest, solltest du dich jedoch ein wenig mit den Features deines Geräts vertraut machen, denn es hält ein spezielles Menüprogramm für Menschenaufnahmen bereit. Wenn du in diesen Modus umschaltest, stellt deine Kamera einen niedrigen Blendenwert ein, bei dem der Hintergrund weniger scharf dargestellt wird der Porträtierte. Dieser kommt somit besser zur Geltung. Auch die Hauttöne werden von modernen Kameras gleich optimiert, rote Augen vermieden.

2. Geheimnis: Nutze das natürliche Licht – aber richtig

Die beste Tageszeit für gute People-Fotos ist in der Regel etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang oder etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang. Fotografen nennen diese Zeit mit ihrem weichen und schmeichelhaften Licht die „Goldene Stunde“. Vermeide es nach Möglichkeit, Porträts um die Mittagszeit aufzunehmen. Das Licht ist dann hell und hart und wirkt nicht gerade vorteilhaft: Auf den Gesichtern entstehen harte Schatten, dichte dunkle Bereiche und ausgebrannte Hotspots.

Aus denselben Gründen ist es außerdem vorteilhaft, wenn du die Bilder an einem bewölkten Tag aufnimmst. Profifotografen nutzen für die Porträtfotografie oft einen so genannten „Diffusor“. Das kann beispielsweise ein Studioschirm sein, durch den der Fotograf den Blitz abfeuert. Das Blitzlicht wird gestreut und wirkt dadurch weich. Dasselbe Prinzip kommt zum Tragen, wenn du an einem bewölkten Tag im Freien fotografierst: Die Wolken wirken wie ein riesiger Diffusor für die ebenfalls riesige Lichtquelle (die Sonne).

Auch die Richtung des Lichts ist entscheidend: Für deine ersten Experimente im Freien solltest du zunächst darauf achten, dass sich die Sonne hinter dir befindet, wenn du die Aufnahme machst. Allerdings ist das Licht dann möglicherweise so hell, dass dein Gegenüber die Augen unvorteilhaft zukneifen muss. Ein schattenspendender Baum leistet gute Dienste. Schöne Bilder bekommst du oft auch mit Seitenlicht: Die Sonne befindet sich dabei leicht rechts oder links vom Motiv.

Manchmal kannst du dir den richtigen Zeitpunkt nicht aussuchen. Falls du doch mitten am Tag Menschen fotografieren möchtest, kannst du einmal versuchen, die oben genannte Regel zu brechen: Achte darauf, dass dein Fotomotiv nicht in die Sonne schaut, sondern von ihr weg. So liegt das Gesicht im Schatten. Anschließend sorgst du für eine leichte Überbelichtung. Dann wirkt das Gesicht gerade richtig belichtet.

Auch in Innenräumen kannst du gute Porträtfotos aufnehmen. Die normale Beleuchtung im Haus ist jedoch nicht gerade schmeichelhaft. Genauso ungeeignet ist der eingebaute Blitz deiner Kompaktkamera. Wird dieser genau auf das Gesicht deines Gegenübers abgefeuert, taucht er es in helles flaches Licht, das den attraktivsten Menschen unvorteilhaft wirken lässt.

Deshalb nutzt du den geschilderten Diffusoreffekt auch bei Innenaufnahmen: Wenn natürliches Licht durch ein Fenster fällt, wirkt es weich und gestreut. In diesem Fall dient die Fensterscheibe als Diffusor. Schalte den internen Blitz deiner Digitalkamera ab und bitte dein Model, sich neben ein Fenster zu stellen, sodass das Licht in einem seitlichen Winkel durch das Fenster darauffällt. Mit dieser „Beleuchtungs“-Technik wirst du sehr attraktive Porträtfotos erhalten.

3. Geheimnis: Baue dir deine eigene Studiobeleuchtung auf

Möchtest du doch Kunstlicht verwenden, nimmst du mehrere Lichtquellen mit möglichst neutraler Lichtfarbe und beleuchtest aus unterschiedlichen Richtungen.

Ein geeigneter Beleuchtungsaufbau für ein möglichst faltenfreies Gesicht: Eine Lichtquelle (etwa eine helle Deckenlampe) kommt von oben. Gleichzeitig strahlt eine starke Schreibtisch- oder Stehlampe von links, eine andere von rechts. Im Idealfall hängst du weißes Textilmaterial in gehörigem Abstand vor die Lampen, um das Licht zu streuen.

4. Geheimnis: Beziehe Schatten in die Komposition mit ein

Bei Charakterköpfen kommt es nicht unbedingt darauf an, die Falten weichzuzeichnen und dunkle Zonen zu vermeiden. Durch betonte Furchen und Schatten können vor allem Männerporträts sehr ausdrucksstark wirken. Hier bietet sich eine einzelne seitliche Lichtquelle an.

5. Geheimnis: Kommuniziere mit deinem Model

Ein Lächeln für die Kamera wirkt oft gestellt, gekünstelt und verkrampft. Kommuniziere deshalb mit deinem Gegenüber und sorge dafür, dass ihr beide richtig Spaß habt. Achte auf eine entspannte, optimistische Stimmung. Erzähle einen Witz oder verbreite auf andere Weise Heiterkeit. Wenn du selbst lächelst oder lachst, wird der Porträtierte dasselbe tun. Zeige zwischendrin deine Aufnahmen auf dem Display der Kamera oder des Smartphones, damit er (oder sie) sich seines guten Aussehens vergewissern kann. Damit schaffst du eine wichtige Grundlage für gute Porträtfotos: Selbstvertrauen. Scheue dich außerdem nicht, gut gelaunt Regieanweisungen zu geben: Sage deinem Model, wie es für dich posieren soll.

6. Geheimnis: Der Blick – ins Objektiv oder nicht?

Es ist erstaunlich, wie viel die Blickrichtung zur Bildwirkung beitragen kann. Auf den meisten Porträtfotos schaut das Model genau ins Objektiv – das kann ein Gefühl der Verbindung zwischen ihm und dem Betrachter erzeugen. Probiere aber ruhig auch einmal etwas anderes: Wenn der Porträtierte an der Kamera vorbeiblickt und seine Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand außerhalb des Blickfelds der Kamera konzentriert, kann ein Gefühl der Spannung entstehen: Der Betrachter deines Fotos wird sich fragen, wovon der Blick angezogen wird. Achte darauf, dass die Augen des Models in diesem Fall tatsächlich auf einen Punkt außerhalb des Bildausschnitts wandern sollten. Sehr gut wirkt es, wenn es sich beispielsweise am linken Rand des Bildausschnitts befindet, der Gegenstand seines Interesses außerhalb des rechten Bildrands (oder umgekehrt).

Alternativ kannst du dein Model auf ein Objekt innerhalb des Bildausschnitts blicken lassen. Dies schafft ein Gefühl der Intimität: Ein Kind schaut auf sein neues Spielzeug, eine junges Paar betrachtet sein Baby usw. Dein Foto erzählt eine Art Geschichte.

7. Geheimnis: Fotografiere unbemerkt

Eine Erweiterung des Erläuterten ist die Möglichkeit, deine Motive sozusagen „heimlich“ abzulichten. Deine Kompaktkamera ist dafür prima geeignet: Du kannst mit ihr unbemerkt „aus der Hüfte“ schießen. Natürlich solltest du zuvor die Erlaubnis zum Fotografieren einholen; aber etwa auf einem Familienfest bieten sich wunderbare Gelegenheiten, heranzuzoomen und Menschen im Gespräch oder bei anderen Beschäftigungen einzufangen, ohne dass sie es bemerken. Oft entstehen die besten Fotos, wenn deine Freunde und Angehörigen sich aufeinander oder auf andere Dinge konzentrieren statt auf deine Kamera.

8. Geheimnis: Fokussiere auf die Augen

Wenn du ein Foto von einem menschlichen Gesicht betrachtest, wandert dein Blick sofort zu den Augen. Es ist deshalb wichtig, dass die Augen der schärfste Teil des Porträtfotos sind. Die einfachste Möglichkeit, dies zu verwirklichen: Fokussiere direkt auf das dir am nächsten liegende Auge.

9. Geheimnis: Wähle den Aufnahmewinkel mit Bedacht

Bei den meisten Porträtfotos zeigt die Kamera etwa auf Augenhöhe des Motivs. Besonders schmeichelhaft wirkt es meist, wenn du mit dem Objektiv auf einen Punkt leicht über der Augenlinie deines Models zeigst. Weiche jedoch einmal bewusst von dieser Regel ab, um neue, spannende Möglichkeiten zu entdecken: Wenn du Porträts von oben schießt, wirkt das Model oft verletzlich. Fotografierst du hingegen aus einem tiefen Aufnahmewinkel (von unten), scheint es Macht und Stärke zu besitzen. Gleichzeitig kann ein zu niedriger Kamerawinkel jedoch wenig schmeichelhafte Porträts mit aufgeblähten Nasenlöchern oder einem Doppelkinn ergeben; durch einen zu hohen Winkel werden die Gesichter stark verkürzt.

Achte außerdem darauf, aus allen Winkeln zu schießen: Fotografiere deine Porträts auch im Profil und Halbprofil, von links und rechts. Die meisten Menschen haben eine „Schokoladenseite“!

10. Geheimnis: Gehe nahe heran …

Viele Amateurfotografen zoomen nicht nahe genug an ihr Motiv heran. Gehe lieber dicht heran – und zwar richtig dicht! Fülle den Bildausschnitt mit dem Gesicht deines Models. Es macht nichts, wenn Teile davon abgeschnitten sind.

Allerdings tendieren viele Kompaktkameras dazu, im Nahbereich Objekte mit dem so genannten Fisheye-Effekt zu verzerren: Bei bildfüllenden Porträtaufnahmen wirken die Nasen dann im Verhältnis zu den übrigen Gesichtszügen zu groß. Solche Knollennasen sehen nicht gerade vorteilhaft aus! Du kannst das verhindern, indem du nicht physisch an den Porträtierten herantrittst, sondern einen größeren Abstand nimmst und den Zoom der Digitalkamera verwendest. Einen weiteren Vorteil dieser Technik hat dir Geheimnis 1 bereits verraten: Der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe und lenkt weniger vom Gesicht des Porträtierten ab.

11. Geheimnis: … aber schneide keine Körperteile ab

Bei Ganzkörperfotos solltest du hingegen darauf achten, dass du keine Arme, Beine, Füße und Hände abschneidest. Denke außerdem daran, dass du dein Gegenüber niemals an der Taille oder den Knien abschneiden solltest. Faustregel: Zeige entweder nur das Gesicht bzw. Kopf und Schultern … oder alles. So wirken deine Porträts auf den Betrachter vollständig und schlüssig.

12. Geheimnis: Fotografiere viel

Nimm zügig so viele Bilder auf, wie du kannst. Im Zeitalter der Digitalfotografie macht es nichts aus, wenn du in der Porträt-Session Dutzende oder gar hundert Bilder aufnimmst und dir später am Computer die besten heraussuchst. Je mehr Fotos du kurz hintereinander schießt, desto größer sind die Chancen, dass eines oder mehrere dabei sind, auf denen alles stimmt.

Bildquellen

  • tezzstock – shutterstock.com

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